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Digitale Nachhaltigkeit – wie steht es in der Logistik damit?

Wo sind die Kundenvorteile? Wann ist die Digitalisierung in der Logistik auch wirklich nachhaltig?

Wo sind die Kundenvorteile? Wo liegen die Hürden der Digitalisierung und was muss geschehen, um diese zu überwinden? Und wann ist die Digitalisierung in der Logistik auch wirklich nachhaltig? Mit Patrick Köpfli, Geschäftsleiter Prologist AG versuchen wir von Logistics Switzerland eine Einordnung.

Der digitale Wandel schreitet voran. Doch nicht in allen Branchen ist das Tempo gleich hoch: Während auf der einen Seite alles «smarter» und «intelligenter» wird, ticken die Uhren in anderen Bereichen noch anders. Dass etwa das Bundesamt für Gesundheit BAG Informationen noch per Fax übermittelt, ist legendär geworden. Fachverbände und Interessengruppen aller Couleur haben sich vorgenommen, die digitale Transformation weiter voranzutreiben. Ein Stichwort, das dabei immer häufiger auftaucht: Digitale Nachhaltigkeit auch in und für die Logistik.

«Digitale Nachhaltigkeit»: Was muss man darunter in der Logistik verstehen?
Patrick Köpfli: Zum Einstieg ein grosses Wort, aber ja, heute ist es ein Anliegen für uns als Logistikanbieter wie eben auch für unsere Kunden. Ideal; digital umfassend entlang der Waren- und Datenströme, ist die Lösung. Aber wie kommt es dazu? Als Handlungsprinzip in der Digitalisierung muss diese in jeder Digitalisierungsstrategie einen gewichtigen Teil darstellen. Nur schon der Frage nach einer dauerhaften Bedürfnisbefriedigung der Logistikkunden wird leider noch nicht überall nachgekommen. Oder, positiv formuliert: Unsere gesamte Branche, jeder Logistikanbieter braucht eine umfassende Strategie zur Digitalisierung. Sie muss alle Kunden, Lieferanten und Partner, als gesamtes Unternehmen, der gesamten digitalen Wertschöpfungskette mit einbeziehen. Denn alle müssen diese Digitalisierung aushalten und ertragen, und zwar eben dauerhaft und nachhaltig, und so unterstützen.

Wann ist denn nun ein Unternehmen, eine Organisation «digital nachhaltig unterwegs»?
Nehmen wir als Basis meine vorherigen Ausführungen zur grundlegenden Bedingung: Die Digitalisierung erfordert eine Reorganisation der gesamten Aufbau-Organisation, aller Logistikprozesse mit den Datenströmen, und das nicht nur von innen betrachtet. Die Bereitschaft und der Grad der Digitalisierung lässt sich oft im Organigramm ablesen. Eine vollumfängliche und konsequente Transformation des Prozesses in der Gesamtheit erfolgt – ich betone: heute – noch in den wenigsten Organisationen. Oft werden nur die wertschöpfenden Kernprozesse berücksichtigt. Wo sind denn die spezifischen Massnahmen, welche die Digitalisierung zur Chefsache machen, eben fortwährend und für alle Unternehmensbereiche und -Beziehungen?

Sagen Sie es uns?
Schauen Sie: Weder Transformation noch Digitalisierung sind neu; es geht hier nur um die konsequente Fortsetzung der Industrialisierung und der technologischen Machbarkeiten – allerdings mit höherem Tempo und in einer globalisierten Welt. Praktisch alles wird mit allem vernetzt. In den Logistikprozessen waren wir früh dran. Was ich damit sagen will: Es führt kein Weg daran vorbei, weder für den kleinen Handelsbetrieb, den Handwerker, die Bäckerei, noch den Hotel- und Gastrobetrieb oder für das internationale Industrieunternehmen. Wichtig dabei ist, dass der Kundennutzen und nicht die Technologie im Vordergrund steht. Es geht also darum, wie wir die heutigen technologischen Möglichkeiten, über die Vernetzung, in Nutzen umwandeln. Dazu braucht es einen grossen Erfahrungsaustausch unter allen im gesamten Wertschöpfungsprozess. Es braucht dazu konkrete Angebote, im Sinne einer digitalen Grundversorgung, eine Geschäftsstrategie, ein Businessmodell und die Markt- und Kundenentwicklung; alles darauf ausgerichtet und abgestimmt. Also – ein umfassendes, umfangreiches insgesamt; aber wohl erst dann ist ein Unternehmen digital nachhaltig unterwegs.

Die Digitalisierung von Prozessen – sichtbar z.B. bei der Abwicklung von Finanztransaktionen – nimmt zu. Besteht da nicht die Gefahr, dass gewisse Bevölkerungsschichten «den Anschluss» verlieren. Inwiefern stehen da auch die Unternehmen in der Verantwortung, etwa beim Design neuer Services, gerade eben in der Logistik.
Sie haben Recht, die Finanz-Transaktionsprozesse sind hochgradig digitalisiert. Auf der anderen Seite sind, gerade bei den Banken, noch viele Prozesse ausserhalb des Kerngeschäftes im «Handbetrieb» unterwegs. So oder so: Die Wirtschaft muss dann eben auch mitziehen. Jüngste, einfache und praktische Beispiele: Die Umstellung des Einzahlungsscheines auf QR-Code, oder die Schweizer Post mit der Vorschrift, die «uralte» elektronische ID/Unterschrift zu nutzen. Damit ernten die Verantwortlichen keine Lobesreden. Es ist durchaus korrekt im Sinne von Datenschutz oder gar Privacy, wenn Kontext-Informationen nicht ungeprüft vertraut werden kann. Dann muss die Identität als zentraler Vertrauensanker angesehen werden: Wer ist z.B. die Person, die über das geschützte Netzwerk mit dem geschützten Gerät über eine Applikation auf geschützte Daten zugreifen will? Aber genau in diesem Moment der Wahrheit, wenn es um den Vertrauensaufbau zur Digitalisierung, zur Nutzung vertraulicher Daten geht, gerade da, riskiert die Wirtschaft einen Teil der Bevölkerung abzuhängen. Und das manifestiert sich dann wiederum in Negativstimmen zur Digitalisierung. Dabei wären, insbesondere für diesen sensiblen Bereich, neue Lösungen, neue Produkte «digital by design for clients» angesagt, eben aus der Perspektive von Konsument/-innen, des Nutzer/-innen, Bürger/-innen. Mit einer nachhaltigen Digitalisierung in der gesamten Logistik stärken wir insgesamt das Rückgrat der Volkswirtschaft.

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